Push The Sky Away - Die wundersame Wandlung des Nick Cave

 

1992 im Tourbus, Nick zeigt seine Verehrung für seine Kollegin Kylie Minouge


"Push the Sky Away" ist eines der schönsten Lieder von Nick Cave und könnte durchaus den Titel seiner Biographie tragen. Das Lied handelt davon das es notwendig ist manchmal seinen Himmel zu verschieben um weitermachen zu können - Und es handelt von der heilenden Kraft der Rockmusik.


Nick Cave hat in den letzten Jahrzehnten definitiv seinen Himmel verschoben. Es gibt wenig Karrieren in der modernen Popmusik, die sich so wundersam, überraschend und letztlich erfreulich entwickelten wie die des australischen Rockpoeten Nick Cave.

In den späten 70er Jahren spielte der Mann mit seiner Band „Birthday Party“ heroinbefeuerte Lieder durch ein rostiges Sieb aus Rock n`Roll und Punk. Dreckige, zornige, und letztlich unhörbare Songs, welche in keiner Weise das Talent des Musikers erahnen ließen. Die Band zerbrach nach einigen Jahren – natürlich. Cave sammelte die Überlebenden ein, nannte seine Mitmusiker fortan „The Bad Seeds“ und veröffentlichte 1984 das erste Album. „From her to Eternity“ klingt nach Schmerz, Verzweiflung, Wut und Depression. Den Titelsong spielt Cave immer noch verlässlich bei Konzerten. Es folgten weitere Alben und Singles, mit welchen hauptsächlich die „Düstermusikhörer“ ihre Depressionen fütterten. Cave wütete mit seinen Texten und die Bad Seeds flankierten mit gnadenlosen „Gothik-Punk-Rock“. Der Welt war dunkelgrau.

Der erste Schritt der Wandlung geschah Ende der 80er Jahre. Cave begann Melodien zu entwerfen und schraubte das Tempo zurück. „The Mercy Seat“ (1988) und „The Wheeping Song“ und „The Ship Song“ (1990) waren umwerfende musikalische Manifeste.

(22) Nick Cave & The Bad Seeds - The Ship Song - YouTube

Cave entdeckte einen Lichtschimmer in seiner dunkelschwarzen Welt und komponierte Balladen, die auch im Radio gespielt wurden. Nach Mitternacht, aber dennoch. Anfang der 90er lebte Er auch einige Zeit in Brasilien was mit auch ein Grund für mehr Licht in den Liedern sein mag. Cave lieferte von nun an verlässlich im Zweijahres Rhythmus neue Platten und Tourneen. Ein erster Hit und auch eine Überraschung war für viele das Duett mit Kylie Minouge. „Where The Wild Roses Grow“ avancierte zum Hit. Vor allem in einer Zeit vor Youtube lief das Video in Dauerschleife auf MTV. Da das Video hinreichend bekannt ist gibt es an dieser Stelle einen fantastischen Live-Auftritt.

(22) Nick Cave & The Bad Seeds - Where The Wild Roses Grow (Live at Koko) ft. Kylie Minogue - YouTube

Das nachfolgende Album „Murder Ballads“ wurde dem Titel gerecht blieb dennoch ungemütlich und düster. 1997 folgte der musikalische Ritterschlag. „The Boatsman Call“, lieferte ausschließlich Balladen in einer Schönheit und Tiefe, die wohl niemand dem Australier zugetraut hat. Cave schien zum ersten Mal seine Dämonen im Griff zu haben und betrat endgültig den Club der großen Singer und Songwriter. Bob Dylan, Paul Simon, Van Morrison, Leonard Cohen und all die anderen. Nick Cave gehörte von nun an dazu.

2015 veränderte ein weiteres Ereignis das Leben und auch die Musik des Australiers. Einer seiner beiden Zwillingssöhne hatte mit 15 Jahren einen tödlichen Unfall. Cave startete kurze darauf ein einzigartiges Internetforum in welchem Er persönlich auf die Fragen seiner Fans eingeht. Jeder kann online Fragen stellen. Für Cave ein Teil seiner Trauerarbeit, für seine Fans eine Offenbarung. Der Musiker beantwortete bereits über 200 Fragen.

The Red Hand Files - You can ask me anything. There will be no moderator. This will be between you and me. Let's see what happens. Much love, Nick : The Red Hand Files

Seine Antworten sind humorvoll, geistreich und zeugen von außergewöhnlichen Reflektionsfähigkeit und Empathie.

Noch überraschender gestalteten sich mittlerweile die Konzerte. Cave agierte früher auf der Bühne professional, leidenschaftlich und dennoch distanziert. Seit dem tragischen Unglück seines Sohnes sucht der Musiker das Bad in der Menge. Die Konzerte gleichen  mittlerweile Messen. Cave kommuniziert mit dem Publikum, wirft sich in die Menge, schüttelt Hände und läuft unentwegt von einem Ende der Bühne zum anderen. Als gelte es jeden Fan einzeln zu umarmen. Auch geschehen und gesehen am 5. August auf der Burg Clam. Nick Cave lieferte mit seinen „Bad Seeds“ ein fantastisches Konzert und spielte eine tolle Mischung aus neuen Titeln und Klassikern. 

Dennoch dürfen an dieser Stelle zwei Kritikpunkte aufgeworfen werden.  Das Finale entpuppte sich als eine Spur zu esoterisch. Das Publikum minutenlang das Mantra „Hanna Montana“ singen zu lassen, war dann doch Einigen zu schräg. Noch peinlicher war jedoch der grässliche und matschige Sound. Ein Ärgernis, dass erstaunlicherweise in den Printmedien nicht erwähnt wurde. Sei es die Kleine Zeitung, die oberösterreichischen Nachrichten, die Tiroler Tageszeitung oder Die Salzburger Tageszeitung. Alle lobten brav das Konzert, ohne den Soundmatsch zu erwähnen.

Entweder waren die Damen und Herren Journalisten nicht vor Ort und haben voneinander abgeschrieben oder die V.I.P.-Betreuung war seitens des Veranstalters so exklusiv, dass man schlicht darauf vergessen hat, das Soundärgernis zu erwähnen. Ich ersuche um Aufklärung.

Dennoch konnte selbst der miese Sound die Lieder nicht zerstören. Somit endet dieser Beitrag mit dem besten Lied des Herrn Cave - allein am Klavier.

(22) Nick Cave - "Into My Arms" - Live at Town Hall NYC - YouTube

Andi Bauer

 


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