Musik von alten weißen Männern



Elvis Costello ist ein bekannter britischer Musiker der in den 70er Jahren mit klugen Protest - und Punkrock - Songs Erfolg und Respekt, besonders von der linken Szene, erntete. Das alles hilft im heute nichts mehr. Die Meinungsterroristen der "Woke"-Bewegung haben herausgefunden dass es in einem von ihm (vermeintlich) rassistischen Satz gibt. Der Song heißt "Olviers Army" und stammt aus dem Jahre 1979. Die verruchte Zeile lautet wie folgt:

"One more widow, one less white nigger"

Elvis Costello & The Attractions - Oliver's Army (Official Music Video) - YouTube

Die "Woke"-Aktivisten haben den Guten jetzt ordentlich im Visier und gebärden sich in den sozialen Medien wegen dem angeblich inakzeptablen Text. Ein Boykott des Musikers wird gar gefordert. Begründet auf eine Textzeile, die sie offensichtlich nicht verstehen. Im England der 70er Jahre war "white nigger" eine Bezeichnung für die Iren. Das Lied kritisiert die Diskriminierung der irischen Bevölkerung im damaligen England. Aber Bildung war bei den Gesinnungsfaschisten nie ein entscheidendes Kriterium. "seek and destroy", lautet die Agenda. Man durchpflügt die Gesellschaft nach vermeintlichen Diskriminierungen und dann wird ohne groß zur recherchieren, voll drauf gehauen. Der Urheber wird von allen Flanken via facebook, twitter usw attackiert. Geschäfts - und Werbepartner werden unter Druck gesetzt. Wenn man mit Dreck beworfen wird, bleibt immer etwas kleben. Mit dieser (angeblich) guten Absicht wurden schon einige Existenzen oder Karrieren vernichtet.

Bei Elvis Costello hat es gewirkt. Offensichtlich genervt von den Attacken hat er jetzt angekündigt, das Lied nicht mehr live zu spielen, da der Text offensichtlich zu Missverständnissen führt. Das ganze Leben wird von Missverständnissen begleitet, aber scheinbar darf das auch nicht mehr sein. Wir steuern geradewegs in eine Besachwaltung von Meinung, Kultur und Gesellschaft. Einige wenige moralische Besserwisser wollen allen anderen vorschreiben was Mann und Frau hören, lesen und schauen darf. 

Vielleicht sollten die Cancel-Culture-Aktivisten und Woke-Schreihälse eine Liste der "nicht politisch korrekten" Platten veröffentlichen. Quasi, als Kauforientierung.

Hat bereits in den 80er Jahren funktioniert. Damals fühlte sich Tipper Gore (die Frau von Al) bemüßigt die amerikanischen Kinder vor schmutzigen Texten zu schützen. Es wurde ein Gesetz erlassen, Musik mit anstößigen Texten zu kennzeichnen. Seitdem wird der "Parental Advisory" Sticker auf CD-Hüllen gepappt, um Eltern und Kinder zu schützen. Hauptsächlich betroffen waren die Genres Hip-Hop, Rap und Heavy Metal. Der Sticker gilt seitdem als inoffizielles Gütesiegel und hat sich für Jugendliche als unfreiwillige Kaufempfehlung etabliert. Seit den 90er Jahren achten die Musik-Produzenten tunlichst darauf, dass es auf den Platten genug Schimpfwörter gibt, um auch den "bösen Sticker" zu kriegen. Fördert den Verkauf. Eminem - und viele andere - haben ihre Karriere darauf aufgebaut.

Wenn wir nichts mehr sagen dürfen, weil wir unter Umständen irgendwen beleidigen könnten, sind wir wahrlich am Ende der Fahnenstange angelangt. China ist hier schon einen Schritt weiter. Die Menschen werden aufgrund ihrer Meinungen und moralisch einwandfreien Taten mit sozialen Punkten bewertet oder bestraft. Ein Paradies für perfekte Gutmenschen.

Beim Blogmaster hat dieser Boykott Aufruf übrigens auch gewirkt. Dieser, nie ein großer Elvis Costello Fan (eher fad mit nasaler Stimme), hat sich sofort auf die Suche nach der verruchten Platte gemacht und das Vinyl-Album sogleich erworben. Lässige Scheibe.

Andi Bauer



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