Happy Birthday Zimmo

Robert Zimmermann, besser bekannt unter seinem Künstlernahmen Bob Dylan, wird am 24.5.2021, 80 Jahre alt. (Sofern Gott, Jehova, Christus, das Universum, oder die spirituelle Entität, an welche Bob Dylan derzeit glaubt, es zulässt.) Dylan hat ja seinen Glauben und seine Religion schon mehrfach geändert.  

Das erstaunlichste an diesem runden Geburtstag ist, dass seine Plattenfirma keine "Best Of" oder andere Sondereditionen seiner alten Platten veröffentlicht. Wurden doch bisher alle Jubiläen von Sir Bob abgefeiert. Verschlafen?, Ignorant? oder eine endgültige Kapitulation vor dem Streaming-Diensten und Youtube. Wir wissen es nicht.

Anbei 12 Anmerkungen und Beobachtungen zum Leben und Werk des alten Kojoten.


1         Reif für die Pension?

In den 80er-Jahren galt Dylan als alt, verbraucht, müde und ideenlos. Die Rufe, er solle doch in den Ruhestand gehen, wurden lauter. Das war vor 40 Jahren. Mittlerweile kann man sich die populäre Musik ohne ihn gar nicht mehr vorstellen.

 

2         Das Vermächtnis

Dylan hat seit 1961, 39 Studioalben, 95 Singles, 12 Live Alben und mehr als 20 Kompilationen veröffentlicht. Box-Sets und Live-Bootlegs nicht mitgerechnet. Und dennoch genügen den meisten Menschen die folgenden sieben Lieder.

The Times They Are Changing

Blowing In The Wind

Mr. Tambourine Man

Like A Rolling Stone

Knocking On Heavens Door

Forever Young

Lay Lady Lay


3         Das Konzert

2009 hatte ich die Gelegenheit, Bob Dylan live in Dornbirn zu erleben. Launisch, kratzig und wortkarg interpretierte er viele seiner Lieder um. Die meiste Zeit verbrachte er stehend oder sitzend hinter seinem Keyboard. Die Band spielte gut geölt und trotzdem mit zu wenig Essig im Sound. Dennoch: ein Erlebnis.

 

4         Zimmo & die Frauen

Niemand weiß wirklich, wie oft Bob Dylan bisher verheiratet war und wie viele Kinder er hat. Für ihn bedeutend war wahrscheinlich seine erste Ehe mit Sarah. Ihr widmete er sein schönstes Liebeslied:

Sad-Eyed Lady Of The Lowlands

Bob Dylan - Sad-Eyed Lady of the Lowlands (Audio) - YouTube

Nach der Scheidung folgte das bittere Trennungsalbum: „Blood On The Tracks“


5         Klopfen an das Himmelstor

Knocking on Heavens Door war 1992 ein Monsterhit für Guns n`Roses, was auch dazu führte, dass viele bis heute nicht wissen, dass Dylan den Song bereits 1973 geschrieben und veröffentlicht hat. Das Lied war damals ein kleiner Hit und Teil des Soundtracks für den Film, „Pat Garett and Billy the Kid“. Bob Dylan komponierte die Filmmusik und spielte sogar eine tragende Nebenrolle im Film. Sein erster und letzter Ausflug ins Filmgeschäft. Das mühselige Warten zwischen den Aufnahmen war ihm zu langweilig.


6         Für immer jung

Sein wohl schönstes Lied - Forever Young - schrieb Dylan für seinen Sohn Jakob. Das Lied erschien 1974 auf dem Album „Planet Waves“, wurde jedoch erstaunlicherweise nie als Single ausgekoppelt. Dennoch wird die Nummer bis heute auf der ganzen Welt gehört. 1982 lieferten Andre Heller und Wolfgang Ambros eine erfreulich gelungene, Cover-Version auf wienerisch.

https://www.youtube.com/watch?v=jVkaoJM6pI4

 

7         Die meiste Zeit

Most Of The Time von 1989 ist von allen Dylan-Songs das Lieblingslied des Autors dieser Zeilen. Der Song beschreibt auf wunderschöne Art die menschliche Unzulänglichkeit und ist ein Abgesang an den „Wahn nach Perfektion“.

„Most of the time
I'm clear focused all around
Most of the time
I can keep both feet on the ground
I can follow the path
I can read the signs
Stay right with it
When the road unwinds
Most of the time“

Most of the Time - YouTube 


      "Finger Weg"   Die schlechten Alben von Sir Bob

"Self Proträt"  1970

Grausame und peinliche Coverversionen. Dylan selbst bezeichnete das Album später als „Witz“ (Joke). Er wollte den Rummel um seine Person beenden, was letztlich nicht gelang.

"Dylan" 1973 

Dylan verließ für zwei Jahre sein Plattenlabel. Dieses veröffentlichte – offensichtlich im Zorn – Übriggebliebenes. Das Material war zurecht übrig geblieben. Unterirdisch.

 "Down In The Groove"          1988

Der Vorgänger „Knocked Out loaded“ war schon schrecklich. Mit "Down In The Groove" wurde der Tiefpunkt erreicht. Dylan beschreibt in seinem Buch "Chronicles", diese Phase seine Lebens als orientierungslos. Er soff auch wie ein Loch. 

 "Christmas In The Heart"     2009

Es scheint ein Gesetz der Branche zu sein, dass jeder bekannte Musiker irgendwann eine Platte mit Weihnachtsliedern veröffentlichen muss. Bob war 2009 dran. Das Ergebnis erschüttert. Sollten Sie jemanden das Fest vermiesen wollen, schenken Sie diese Platte. Nach dem Abspielen dieser Lieder gibt es keinen Grund mehr, Weihnachten zu feiern.

"Die Sinatra-Phase"  2015 – 2017

Während dieser drei Jahre nahm Dylan zwei Alben und ein Tripple Album (also insgesamt 5 LPs) mit Klassikern auf. Hauptsächlich Lieder, mit denen Frank Sinatra berühmt wurde. Dylan hatte weder die Stimme noch die richtige Band, um diese Lieder zu interpretieren. Anstatt Samt und Seide gibt es rostiges Kratzen. Ein schlechter Witz, über den niemand lachen kann.


9       Bob, Paul & John

Als Bob Dylan 1964 zum ersten Mal die Beatles traf, waren diese am Höhepunkt ihrer Popularität und belegten die ersten fünf Plätze der US-Single-Charts. Zum diesem Zeitpunkt machte die Band jedoch noch schlichte Liebeslieder. Dylan bemerkte damals nonchalant zu Paul McCartney und John Lennon:

"The whole world listens to you - and you have nothing to say"

John Lennon begann daraufhin ernsthaftere Texte zu schreiben.     


10    Bob, Mick & Keith

Als Bob Dylan 1965 zum ersten Mal die "Rolling Stones" traf, bemerkte er zu Keith Richard:

"I could always write a song like "Satisfaction", but you could never write a song like, "Like a Rolling Stone"

Keith war daraufhin "schmästad". Mick Jagger jedoch, nicht maulfaul, entgegnete der Legende:

"We could always play a song like "Like a Rolling Stone", but you could never play a Song like "Satisfaction"

 

11       Bob & Bono

1988 traf Dylan bei einem Abendessen Bono von U2. Dieser empfahl ihm, den U2-Hausproduzenten Daniel Lanois. Danach ging es mit Dylan musikalisch wieder bergauf. Lanois produzierte 1989 "Oh Mercy". Es war Dylan`s bestes Album seit 1975. 

 

12    Bob & Bruce

Die beste Cover-Version eines Dylan-Songs kommt vom "Boss" persönlich. Chimes of Freedom ist ein zutiefst berührendes Plädoyer für die Menschrechte.

1988 spielte Springsteen das Lied im kommunistischen Ostberlin vor 500.000 Berlinern.

Bruce Springsteen - Chimes of Freedom (East Berlin 1988, with speech) - YouTube


In diesem Sinne

"Happy Birthday "Zimmo", Long May You Run, Old Pal" 

 

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Olaf-Man And The Wasp

Sorgen sind wie Nudeln - Man macht sich immer zu viele davon

Das Licht am Ende des Tunnels......könnte ein "Bosna" sein