Marbles, die Tindersticks und ihre Lieder.

 

Foto von Jan Korski


They're going to hurt you
They always will
Our message lost and our plans forgotten
Surrounded by men in suits, and black shiny shoes
Moving in, kicking, stamping
Bland expressionless faces
A handful of marbles thrown in a dustbin
Memories, memories 

aus “Marbles”

https://www.youtube.com/watch?v=fKRfWcRZpYM

 

Nach einigen brillanten Singles veröffentlichten die Tindersticks 1993 das beste Debütalbum der 90er Jahre. Ein Doppelalbum ohne Fotos oder Informationen. Jedoch mit umwerfender Musik. Wüste Songs zwischen Folk, Rock und Pop erzählten absurde Geschichten über Wahnsinn, Eifersucht und Besessenheit. Umrahmt von einem musikalischen Stil, den man so bisher nicht kannte. Und auch nicht einordnen konnte. Journalisten nannten das damals; „Kammer-Pop“

“And I tell you with my tongue between your toes
If there's ever anyone else
Don't let them do this”   

aus “Jism”

https://www.youtube.com/watch?v=chJjAqFbeUU

 

Das zweite Album war nicht unbedingt besser; ist auch nicht möglich. Jedoch runder, wärmer und sanfter. Die Abgründe in den Liedern waren besser getarnt; dennoch nicht weniger tief und gefährlich. Die Musik klang wie zwischen schweren Samtvorhängen  im Salon eines mittelalterlichen Schlosses gespielt. Keine Spur von Schmalz – nur morbide Romantik.

“I know you're hurting
And I can't be there no more
I had shoes full of holes
When you first took me in”

aus “A night in”

https://www.youtube.com/watch?v=IOmcUDY-Nzo

 

Am Cover war Gitarrist Neil Fraser zu sehen – beim Schneider, einen Anzug ausmessend. Die Tindersticks spielten alle Konzerte bis 1998 im Anzug. Auch am Anfang ihrer Karriere, als noch kein Geld da war. Soviel britischer Snobismus musste sein. Die Konzerte fühlten sich wie Kammermusik an und lieferten dennoch die ganz großen schwelgerischen Gefühle.  Sänger Stuart Staples sang schwermütig und gebeugt, als schultere er den Weltschmerz. Dazu jubilierten die Geigen, das Schlagzeug schlurfte und die Gitarren knarzten. 

Das dritte Album hielt das Niveau und hieß sinnigerweise gleich „Curtains. „Bathtime“; Die Single, ist wunderschön. S[HH1] kurrile Romantik mit schwarzen Löchern. Das Video ist großes Kino. Die Kamera umkreist die Band; ohne Schnitte.

https://www.youtube.com/watch?v=lkKry-PXO0U

 

Es folgten weitere große und großartige - oftmals experimentelle Alben. Weitere Tourneen, Auflösungen und Umbesetzungen. Der Schmerz blieb bis heute. Stuart Staples und seine Band bringen immer noch das Leid der unerfüllten Sehnsüchte  auf die Bühnen der Welt.

Die aktuelle Tournee wurde Covid-bedingt zum zweiten Mal verschoben. Die drei Vorstellungen im Theater Akzent waren bereits ausverkauft. Umso mehr gilt es jetzt die Platten der Schotten aufzulegen.

Sollten Sie jetzt den Wunsch entwickelt haben, zumindest eine CD der Tindersticks zu kaufen, dann kaufen Sie die ersten drei.

  

Andi Bauer


 


Kommentare

  1. Einladend und informativ. Verlockend sich das vor allem das erste dargestellte Album vertiefend anzuhören. Danke

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