AVATAR 2 - und die Filme des James Cameron

Hat den einen oder anderen Hit gedreht - Filme von James Cameron - Foto by Andi Bauer

AVATAR 2 – Eine Kritik

Um AVATAR 2 zu bewerten und – soviel darf ich an dieser Stelle auch schreiben – die damit verbundene Enttäuschung zu erklären, ist es notwendig das Gesamtwerk von James Cameron zu betrachten.

James Cameron ist neben Steven Spielberg der erfolgreichste Regisseur der letzten 40 Jahre. Titanic, Avatar und Terminator 2 sind Megahits und moderne Klassiker. Leider beschäftigen sich in diesen Tagen die Medien fast ausschließlich mit den visuellen Effekten und den Umsatzzahlen von AVATAR 2 und weniger mit dem Inhalt des Films. Cameron ist daran nicht unschuldig. Einerseits hat er die zwei erfolgreichsten Filme im Talon (AVATAR 1 & TITANIC), anderseits hat er vor kurzem in einem Interview gesagt, dass AVATAR 2 einen Umsatz machen müsste, der diesen zum viert oder fünfterfolgreichsten Film der Welt macht. Dies sind dann ca. 2 Milliarden US-Dollar. Seitdem schwebt diese Zahl über dem Film und ist mittlerweile das bestimmende Thema. Denn nur dann, so Cameron, würde es möglich sein die geplanten Fortsetzungen zu finanzieren und zu drehen. Teil Drei ist angeblich abgedreht, während Teil 4 und 5, zwar vorbereitet sind, jedoch laut Cameron noch wackeln. Außer, es werden die genannten 2 Milliarden umgesetzt. Diese Zahl könnte durchaus erreicht werden. Nach zwei Wochen Laufzeit hat der Film weltweit mittlerweile 1,5 Milliarden Dollar an den Kinokassen umgesetzt. Ein zusätzlicher Booster sind die derzeit hohen Ticketpreise. Überlänge, 3D-Aufschlag und eine eventueller IMAX-Aufschlag verbuchen 20 Euro pro Ticket. Und da ist noch kein Popcorn dabei. Um dieses Geld konnte man sich den ersten Teil noch zweimal im Kino ansehen. Somit sollten auch die derzeit, zugegeben, guten Umsätze des Films an den Kinokassen mit weniger aufgeschreckten Geschrei betrachtet werden

Abgesehen davon muss sich James Cameron gefallen lassen, dass AVATAR 2 mit seinen bisherigen Werken verglichen wird. Und zwar nicht nur die Umsätze.

Die Qualität eines Films beginnt immer in der Geschichte. James Cameron ist ein exzellenter Drehbuchschreiber. Er schrieb Drehbücher für fremde Regiearbeiten wie Rambo 2 und  Strange Days. Sowie die Drehbücher für seine eigenen Regiearbeiten, wie Terminator 1 & 2, Aliens, Abyss und True Lies. Die Drehbücher zu diesen Filmen sind herausragend. Mitreissende Geschichten, packende Dialoge und „oneliner“ die in die Popkultur eingingen. Das „Hasta La vista“ Baby des Terminators hätte auch peinlich enden können. Cameron zeigte das richtige Gespür und schaffte immer die Balance zwischen Spannung, Humor und Aktion. Seine Filme waren lang, jedoch nie zu lang und auch nie langatmig. Bei Aliens dauerte es über eine Stunde, bis es zur ersten Konfrontation der Soldaten mit den Aliens kam. Dennoch ist diese Stunde an Spannung nicht zu überbieten.

Überdies hat Cameron den sogenannten vierten Akt fürs Kino eingeführt. Eine Bereicherung die ihn für mich zum besten Action-Regisseur der 90er Jahre macht. Das Kino baute grundsätzlich auf die klassischen drei Akte auf. Einführung der Figuren und Start der Geschichte, Drama, und letztlich Finale. Cameron liefert seit Terminator 1 einen vierten Akt. Als nach einer unglaublichen Verfolgungsjagd es den Helden gelingt den Tanklastzug mit dem Terminator zu sprengen, sieht man Diesen explodieren und verbrennen. Der Film war praktisch zu Ende, Happy End, Juhuu. Das dachte damals jeder, der den Film zum ersten Mal im Kino sah. Und plötzlich erhebt sich das Metallskelett des Terminators aus den Flammen und schlurft auf die Helden zu. Der vierte Akt war geboren.

Camerons weitere Stärke ist seine Innovationskraft und seine unbeirrbar Vision die technisch, beste Möglichkeit zu finden, um seine Geschichten darzustellen. Es ist mittlerweile legendär, was der Mann anstellte, um seine Vorstellungen umzusetzen. Und seine Filme bezeugen es immer wieder und galten jeweils als Referenzwerke für den aktuellen Stand der Kinotechnik. Dies gilt auch für AVATAR 2. Dennoch waren es immer die Geschichten, die erzählt werden sollten. Mit Hilfe der Technik. Die Technik war leidlich ein Werkzeug, um die Geschichte auf die Leinwand zu bringen. Cameron lies nie seine Geschichten durch Technik verschleiern, sondern vielmehr verstärken. Man denke an die bahnbrechenden visuellen Tricks in Terminator 2. Und dennoch erinnern sich die Menschen bis heute vorwiegend an die emotionalen Momente des Films. Zum Beispiel an die Schlussszene als sich der Terminator selbst in den Hochofen abseilt, um sich und somit die letzten Spuren der grausamen Zukunft, zu vernichten. Auch bei Titanic beschäftigt die Fans bis heute die Liebesgeschichte und weniger die technischen Feinheiten, welche den Untergang des Schiffes so realistisch darstellten.

Der erste AVATAR Film änderte diesen Ansatz. Plötzlich verschwand die Geschichte hinter den überwältigenden Bildern. Die Geschichte hatte auch wenig zu bieten. Ein Pocahontas Abklatsch garniert mit einer viel zu plakativen „Rettet die Umwelt“ – Botschaft. Dennoch bot der Film einige große emotionale Höhepunkte. Die Zerstörung des heiligen Baums der Navi, sorgte für einen seltenen Kino-Moment. Man konnte sehen wie Menschen im Kino weinten, obwohl „nur“ ein Baum gefällt wurde. Für die wenigen, die den Film noch nicht gesehen haben. Es war ein sehr großer Baum. Wobei ich mir eh nicht vorstellen kann, dass Menschen die AVATAR noch nicht gesehen haben, sich in diesen Blog verirren. 

AVATAR 2 hat leider eine noch schwächere Geschichte. Jake Sully hat jetzt eine Familie und ist offensichtlich ein fürchterlicher Vater. Autoritär, Rechthaberisch und ignorant. Was offensichtlich bewirkt das die Sully-Kinder immer das Gegenteil von dem tun, was die Eltern wollen. Die Geschichte wird generell durch Aktivitäten der Sully-Kinder vorangetrieben, die ihren Eltern nicht gehorchen und dadurch in Schwierigkeiten geraten. Viermal stolpern die ungehorsamen oder ungeschickten Sully-Kinder in  gefährliche Situationen. Und erzwingen damit (notwenige) Actionszenen um den Film voranzubringen. Vater Jake ist auf permanenter Rettungsmission und handelt dabei auch selbst meist unlogisch. Somit fällt es dem Zuseher schwer emotional der Geschichte zu folgen. Es ist schlicht ärgerlich die laufend, dummen Aktionen der Sully-Familie mitzuerleben. 

Wie ein schlechter Horrorfilm wo die Zuseher zur Leinwand rufen: „Geh nicht in den ersten Stock, sondern lauf ins Freie“. Ähnliches will man den Sullys ständig zurufen: „Geht nicht in den Dschungel, Taucht nicht in die Bucht, verlasst nicht das sichere Dorf, macht das nicht“. Es hilft nicht, sie tun es, die Eltern müssen die Kinder raushauen und der Zuseher kriegt eine Action-Szene. Dies zieht sich leider bis zum großen Action-Finale in welchen die Militäreinheiten der (bösen) Menschen den mit Pfeil und Bogen bewaffneten Navi offensichtlich nichts entgegenzuhalten haben. Trotz militärischer Überlegenheit stolpern die Soldaten wie apathische Amateure auf dem sinkenden Schiff herum und haben den Navi nichts entgegenzusetzen. Cameron wären früher nie solche Patzer passiert. 

Es ist enttäuschend, dass das Drehbuch für einen Film, der angeblich 300 Millionen Dollar gekostet hat und mehrere Drehbuchautoren beschäftigte, so schwach und auch schlampig geschrieben ist. So beeindruckend die visuellen Bilder auch sind, die ärgerliche Geschichte raubt Ihnen die Kraft. Denn das der Film eine visuelle Kraft hat, die unvergleichlich ist, braucht man an dieser Stelle nicht extra erwähnen. Alle schreiben darüber. Dass jedoch fast alle Journalisten die Schwächen der Geschichte unerwähnt lassen und der Film überall Höchstwertungen kriegt ist dann doch verwunderlich.

Aber vielleicht hat es etwas mit den mehrseitigen Anzeigen, Reportagen und Hintergrundgeschichten zu tun, die der Verleih in den letzten Wochen in allen Medien lanciert hat. Wenn man Anzeigen schaltet will man schließlich auch eine gute Kritik lesen.

Von mir kriegt der Film 3 von 5 möglichen Sternen

Im Anschluss eine Übersicht zu den bisherigen Regie-arbeiten von James Cameron. Die Höchstwertung sind fünf Sterne


Piranhas 2                * *      1982

Trashhorrorfilm von dem sich Cameron mittlerweile distanziert, da er den Endschnitt nicht beeinflussen konnte.


The Terminator     * * * * ½                       1984

Ein Filmklassiker wie sein Titelheld – unzerstörbar

 

Aliens      * * * * *              1986

Der beste zweite Teil der Filmgeschichte und ein makelloser Science Fiction Actionklassiker.

 

The Abyss    * * * * *                    1989

James Cameron erster großer Unterwasser-Film floppte damals und wird bis heute unterschätzt. Meiner Ansicht nach sogar besser als AVATAR.

 

Terminator 2    * * * * *                1991

Camerons kreativer Höhepunkt

 

Titanic   * * * *           1997

Damals der größte Film der Welt. 16 Wochen auf Platz 1 der US-Kinocharts, obwohl jeder wusste wie die Geschichte ausgeht. Titanic hat immer noch mehr Kinokarten verkauft als jeder andere Film in den letzten 40 Jahren. (Mehr als AVATAR und die AVENGER-Filme)

 

AVATAR  * * * *               2009

Toller Science-Fiction Film. Hat mehr Geld als Titanic eingespielt aber weniger Tickets verkauft.

 

Andi Bauer

 

 

 

 

 


 

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