A-Ha sind mittlerweile "Oh-Ho" und schon lange nicht mehr "Oh-Jeh"

"Scroundel Days", das zweite Album von A-Ha war 1986 noch ein verkanntes Meisterwerk.  (Auch vom Autor dieser Zeilen).    Picture by Andy Bauer

Natürlich mochte ich A-Ha, nicht. Der Sänger war viel zu schön, die Mädchen schenkten der Band ihre ganze Aufmerksamkeit (und nicht mir). Die Lieder hatten zu viele Keyboards, zu wenig Gitarren und nervten von 1985 bis 1988 in den Charts und aus den Radios. In dieser Zeitspanne war ständig irgendeine Single von A-Ha in den internationalen Hitparaden. Außerdem hießen die Lieder "Touchy" und "Cry Wolf" und klangen auch so. A-Ha waren peinlich und mussten konsequent von männlichen, rockhörenden Teenagern verachtet und ignoriert werden. Wir hörten AC/DC, Prince, David Bowie, Motörhead, Bruce Springsteen, Aerosmith, Bon Jovi, und Guns N´Roses. Gitarren waren Pflicht.

Das erstaunliche an A-Ha ist jedoch, dass es der Band als Teeny-Pop Phänomen erstaunlich schnell gelang erwachsen zu werden. Im Vergleich zu anderen Boybands wie Take That, Backstreet Boys und New Kids on the Block, denen dieser Wandel nie gelang.

1985 erschien das Debütalbum von A-Ha und hatte bereits den Über-Hit "Take on Me", der sogar in den USA auf Platz 1 landete. Sowie praktisch überall in Europa, Südamerika, Ozeanien und Asien. Es folgten drei weitere Singles und begeistert, kreischende Teenies auf der ganzen Welt. BRAVO brachte eine Posterstrecke nach der anderen. Eine Boyband ward geboren.

Bereits das zweite Album ein Jahr später änderte die Richtung. Schon der Titel war mutig. Wer versteht schon das Wort "Scroundels" (Schurke auf Deutsch)? Die Texte behandelten Umweltthemen "Looking for the Whales", und beschrieben Depression, Selbstzweifel und Ängste. Dazu gab es mit "Manhattan Skyline" den schönsten Song der Band. 

(8) a-ha - Manhattan Skyline (Official Video) - YouTube

Wir hörten das damals natürlich nicht und mussten die Band weiter ignorieren. Siehe oben (Gitarren). Es folgte 1987 der Titelsong zum ersten Bond-Film mit Timothy Dalton. "The Living Daylights", gehört mittlerweile zu den besten Bondsongs. Das Wechselspiel der akustischen Gitarren mit dem Orchester ist gänsehauterregend. Dazu Mortens unglaublicher Gesang. Der Song verdient eine Wiederentdeckung.

(8) A-HA - THE LIVING DAYLIGHT (Bond theme 1987 official video HD) - YouTube

Es half alles nix. Die Teenies wanderten weiter zu den New Kids on the Block und Bros. Die anderen Musikhörer (wie der Blogmaster) ignorierten die Band weiterhin. Der Titelsong des dritten Albums  "Stay on these Roads", war für lange Zeit der letzte Hit der Band. Das war 1988. Das vierte Album (1990), hatte bereits Schwierigkeiten die Top 20 weltweit zu knacken. Bis auf ihre Heimat Norwegen, wo es fast alle Alben der Band auf Platz 1 geschafft haben. Es folgte 1993 ein weiteres Album, das noch weniger verkaufte und die damit unvermeidliche Auflösung der Band auslöste. A-Ha waren Geschichte. Vorerst. Im Jahre 2000 passierte dann das unwahrscheinliche Comeback mit dem niemand rechnete. Mit dem schönsten Sommersong des Jahres. "Summer moved on", beginnt mit einer großartigen Zeile:

"Summer moved onAnd the way it goes, you can't tag alongHoney, moved outAnd the way it went leaves no doubt"

(8) a-ha - Summer Moved On (Official Video) - YouTube

Oftmals wird in der Literatur das vergehen des Sommers mit dem vergehen einer Liebe gleichgesetzt. Nie klang es jedoch gleichsam so traurig wie auch tröstlich, wenn Morten Harket davon singt. Sein flehentliches "Staaaay.........." im Refrain schmilzt jedes Herz. Dies war auch der Grund, dass der Autor dieser Zeilen seine erste CD von A-Ha kaufte. Es folgten weitere Alben und mehrere Welttourneen. A-Ha waren gekommen um zu bleiben. Vor einigen Wochen hat die Band ein neues und wieder gelungenes Album veröffentlicht. "True North" heißt die Platte und thematisiert aktuelle Umweltthemen.

(8) a-ha - I'm In (Official Video) - YouTube 

A-Ha haben es letztlich geschafft sich als gereifte Pop-Band neu zu erfinden. Das Frühwerk wurde wiederentdeckt, die neuen Alben verkaufen sich ausgezeichnet und die Tourneen führen durch die großen Hallen. Und plötzlich ist es nicht mehr peinlich die Band zu mögen. Das ist womöglich der größte Erfolg der drei Norweger.

Andi Bauer




 

 

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