"The Northman" - Die drei Wunder des Films


Filmposter: The Northman

Neue Film-Ideen oder Original Drehbücher haben in diesen Tagen fast keine Chance ein großes Budget zu kriegen. Um einen Film in Hollywood zu finanzieren sollte dieser es entweder ein Sequel (Fortsetzung), Prequel (Vorgeschichte), Remake (Neuverfilmung) oder ein Reeboot (Neustart einer bekannten Filmreihe) sein. Oder Teil einer I.P. (Emotionales Eigentum/bekannte Marke). Harry Potter wäre so eine IP oder Game of Thrones. Die Ausnahme bilden nur namhafte Regisseure wie Steven Spielberg, James Cameron oder Christoher Nolan. Und selbst diese müssen oft hart darum kämpfen damit ihre Ideen einen Finanzierung erhalten. Somit ist die Finanzierung und schiere Existenz des Films "The Northman" ein dreifaches Wunder (Ostern, Pfingsten und Weihnachten an einem Tag).

Wunder Nummer Eins: Ein unbekannter Regisseur kriegt 70 Millionen Dollar Budget 
Der Film wurde finanziert obwohl Regisseur Eggers wenig bekannt ist und bisher keine nennenswerte Hits vorzuweisen hat. Seine bisherigen zwei Filme wurden zwar gelobt und gepriesen, jedoch keine großen Hits.

Wunder Nummer Zwei:  "Northman" ist ein Wikinger-Film
"The Northman" bespielt ein schwieriges Genre, den Historien-Film. Der letzte Hit in diesem Genre liegt 22 Jahre zurück ("Gladiator"). Erst kürzlich ging Ridley Scott mit seinem "MeToo-Ritter-Film" "The Last Duel" baden, wieder mal. Die Liste der Flops von Historien-Filmen ist lang. Vom "Königreich der Himmel" bis "Robin Hood" mit Russell Crowe. Selbst exzellente Filme wie "Centurion" fanden im Kino kein großes Publikum. Noch weniger beliebt ist das Subgenre: "Wikinger". Wann war der letzte erfolgreiche Wikinger-Film im Kino? Die einzigen Wikinger-Filme die man als Kinohit bezeichnen kann sind "Die Wikinger" auf dem Jahre 1958 mit Kirk Douglas und Tony Curtis und die Kinderfilmreihe "Drachenzähmen leicht gemacht". Der letzte Versuch einen Hit mit dem Wikinger-Genre zu landen war der "13te Krieger" mit Antonio Banderas. Der Film war 1999 ein moderater Hit, überzeugte jedoch nicht nachhaltig. Zugegeben, diverse Wikinger-Serien sind auf  Streaming-Plattformen beliebt. Das hat jedoch nichts mit Kino zu tun. Einen Streaming-Junkie ins Kino zu bewegen entpuppt sich wohl genauso schwierig als einen McDonalds-Fan fürs Nobel-Restaurant zu begeistern.


Wunder Nummer Drei: Der Film hat eine Originalgeschichte   
Der Stoff erfüllt keines der obengenannten angeführten Kriterien für eine Hollywood-Finanzierung (Fortsetzung, usw). Es handelt sich schlicht um die klassische Hamlet/Shakespeare Tragödie, welche in die Zeit der Wikinger verfrachtet wird.


Und der Film selbst?

Der Film ist eine Naturgewalt und trifft den unvorbereiteten Zuseher wie Thors Hammer zwischen die Augen. Brachial, brutal, episch und kompromisslos in der Darstellung dieser Epoche. Es findet sich weder eine Anbiederung an den Zeitgeist noch eine Rücksichtnahme an klassisch, bequeme Erzählweisen. "The Northman" ist auch kein Action-Film sondern konfrontiert den Zuseher mit einer Zeit die heute fremd und surreal wirkt. Das dargestellte Leben der Wikinger, der Glaube, die Rituale und Bräuche zeigen hier nichts romantisches und nostalgisches. Die "Zurück zur Natur Mentalität" mancher Zeitgenossen wird hier abgestraft. Die Natur bietet hier nur Entbehrung, Härte und Kälte. Eine Kälte die sich bis in den Kinosaal schleicht. Obwohl die Bilder von Island fantastisch sind, vermitteln diese vielmehr das Bedrohliche als das Heilsame. Selbst die beiden romantischen Liebesszenen in einem Wald und einem warmen Geysir sind von allgegenwärtiger Gefahr überschattet. 

Der Film wird angetrieben von einem Rachemotive und dem brennenden Hass des Amleth, dargestellt von Alexander Skarsgard.  Amleths Vater wird von seinem Onkel ermordet. Dieser kann ins ferne Russland fliehen wächst unter Berserkern auf und schlachtet buchstäblich durchs Leben. Alleine diese Szenen zeigen eine nahezu unerträgliche Grausamkeit. Durch Zufall erfährt Almeth vom Aufenthaltsort seines Onkels und erkennt die Möglichkeit für seine Rache in welcher er sein Schicksal und seinen Lebenszweck sieht. Selbst die Liebe der schönen Slawin Olga kann ihn nicht von diesem Weg abbringen. Es folgt ein shakespearisches Drama mit Blut und Hass gezeichnet. So wenig es dem Zuseher möglich ist, Amleth emotional auf seinem Weg zu folgen, fiebert man dennoch mit ihm mit und wird zum unfreiwilligen Komplizen. Man spürt dennoch von Anbeginn, das dieser Weg keine Freude und Erlösung bringen wird. Nebst der kompromisslosen Geschichte, der ungeschönten Brutalität und den hervorragenden Darstellern besticht der Film durch unwahrscheinlich schöne Bilder und einer außergewöhnlichen, fast magische Atmosphäre.

Die Wucht des Films ist vergleichbar mit "Braveheart" (1995) und "Gladiator" (2000). Nur das "The Northman" besser ist als "Braveheart" und mindesten so gut ist wie "Gladiator". Man darf hoffen und wünschen, dass Filmfreunde gerade jetzt ins Kino gehen um Hollywood zu signalisieren, dass es noch einen Markt für diese Filme gibt.

Andi Bauer

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